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Körper 24.03.2021

«Corona hat einen Boom von Schönheitseingriffen ausgelöst»

Autor: AUTOR: SILVIA AESCHBACH, TAGESANZEIGER.CH

Man hörte immer mal wieder, in der Corona-Zeit hätten die minimalinvasiven Eingriffe wie Botox und Unterspritzungen, aber auch klassische Schönheitsoperationen zugenommen. Können Sie dies bestätigen?

In der Plastischen Chirurgie konnten wir diesen Trend schon vor Corona beobachten. Während klassische plastisch-chirurgische Eingriffe weiter stetig zugenommen haben, sind die minimalinvasiven Eingriffe überproportional gewachsen. Corona hat diesen Zuwachs aktuell noch stark beschleunigt. Und die Zahl der minimalinvasiven Eingriffe ist in den letzten Jahren schon um ein Zehnfaches gewachsen. Corona hat einen Boom von Schönheitseingriffen ausgelöst.

Und warum gerade jetzt dieser Verschönerungs-Boom? Wir sitzen ja die ganze Zeit im Homeofce und haben keine Chance, den frisch operierten Busen oder den Waschbrettbauch spazieren zu führen.

Aber viele Menschen haben jetzt Zeit für eine Operation. Dies, weil die sozialen Verpflichtungen wegfallen und sie auch keine Ferien nehmen müssen. Nach einer Brustoperation oder einer Fettabsaugung können sie bereits nach wenigen Tagen wieder an Zoom-Sitzungen teilnehmen, ohne dass jemand etwas merkt. Und Diskretion ist vielen wichtig.

Inja Allemann ist spezialisiert auf die Ästhetische Chirurgie an Gesicht, Brust und Körper. Sie ist die einzige Doppelfachärztin FMH der Schweiz für Plastische Chirurgie und Dermatologie sowie Expertin der Lasermedizin. Für den Blog «Von Kopf bis Fuss» hat sich Autorin Silvia Aeschbach schon mehrfach mit ihr über Hautthemen unterhalten.

Das funktioniert bei einem klassischen Facelifting allerdings nicht.

Ja, da haben sie recht (lacht). Aber minimalinvasive Eingriffe mit Botox und Hyaluron sind möglich, ohne dass jemand Vermutungen anstellen könnte. Im Ge- genteil: Die Chance, dass man ohne Zornesfalte oder Augenringe einen frischeren Eindruck macht, ist gross.

Und offenbar sind auch die finanziellen Möglichkeiten da, um sich diese Auffrischung zu gönnen.

Viele haben im letzten Jahr Geld gespart. Sie sind nicht mehr gereist, haben weniger geshoppt, sind nicht mehr ins Fitnessstudio gegangen und mussten auf Restaurantbesuche verzichten. Die Menschen sind müde und orientierungslos. Und jetzt investieren sie halt in ihr Aussehen und können sich auf diese Weise etwas Gutes tun. Entgegen der allgemeinen Perzeption geht es bei der Plastischen Chirurgie nämlich selten primär um Schönheit, sondern um Lebensqualität. In Zeiten, wo man sich sowieso nicht gut fühlt, kann ein Eingriff durchaus die Lebensqualität verbessern.

«In diesen Zeiten haben viele Menschen das Gefühl, dass sie die Kontrolle über ihr Leben verloren haben.»

Etwas Gutes tun, tönt nach einem wohltuenden Wellness-Programm. Eine Schönheitsoperation ist aber nicht wirklich eine kleine Sache.

Da haben Sie völlig recht. Und darüber kläre ich meine Kundschaft auch auf. Jede OP hat ihre Risiken. Hier gilt für mich völlige Transparenz.

Ist es eigentlich so, dass durch das Maskentragen der Fokus mehr auf die Augen gerichtet ist, und damit auch auf allfällige Falten?

Das wäre naheliegend, fällt jedoch nicht so stark ins Gewicht. Was ich allerdings zurzeit viel häufiger höre, ist, dass einem die eigene Müdigkeit, die Zornesfalte, oder die eingefallenen Wangen viel mehr auffallen, weil wir wegen des Zoom- Booms täglich mit unserem Aussehen konfrontiert werden. Da braucht es nur noch einen müden Tag und ein schlechtes Licht und das Selbstwertgefühl hat einen Knacks.

Und ein Schönheitseingriff stärkt dann das Selbstbewusstsein wieder?

Es geht meiner Meinung nach weit darüber hinaus. In diesen Zeiten haben viele Menschen das Gefühl, dass sie die Kontrolle über ihr Leben verloren haben. Dies kann massive Unsicherheiten auslösen. Ich kann helfen, dass sich Menschen wieder besser in ihrem Körper fühlen und sich so ihre Lebensqualität wieder erhöht. Dazu braucht es kein Facelifting. Eine Laserbehandlung oder ein Microneedling können dazu führen, dass man sich frischer und entspannter fühlt.

«Auch in der Schweiz, vor allem bei der jüngeren Generation, beginnen sich Schönheitsideale zu mischen.»

Allfällige Falten müssen also nicht geglättet werden?

Nein. Eine gute Ausstrahlung hängt nicht davon ab, wie viele Falten man hat. Für mich ist eine schöne und gesunde Haut mit einem frischen Glow zentral. Und diesen Glow können wir mit Prophylaxe, also einem ganzjährigen Sonnenschutz, Pflege und einer gesunden Lebensführung erreichen.

Welche Behandlungen waren in letzter Zeit besonders gefragt?

Sowohl bei Männern wie bei Frauen: Botox, Lidstraffungen, Fettabsaugungen. Bei Frauen sind Brust-OPs noch immer sehr gefragt. Hier geht der Trend zu einer kleineren Brust. Und Männer wollen ihre ungeliebten Love Handles loswerden.

Hand aufs Herz: Haben Sie sich in den letzten Monaten auch behandeln lassen?

Ja.
7%

Nein.
78%

Ich überlege es mir.
9%

Ich will nur das Resultat sehen.
6%

Was halten Sie von der sogenannten Instagram-Beauty? Also den breiten Brauen, dem schmalen Näschen und den prall aufgespritzten Lippen vieler Influencerinnen?

Ich werde selten für einen solchen Look angefragt. Ich bin ja selber der natürliche Typ. Es sind vor allem junge und sehr junge Kundinnen, die diesen Vorbildern nacheifern. Und die gehen dann vielleicht eher zu einer Dermatologin oder zu einer Kosmetikerin.

Gilt bei Schweizer Kundinnen und Kunden immer noch das Motto: «Am liebsten nur es bitzeli, damit niemand merkt, dass ich etwas gemacht habe»?

Ja, ja (lacht). Das Motto «nur nicht auffallen» ist immer noch aktuell. Das kommt je- doch meiner Philosophie entgegen, dass es um eine kontinuierliche Erhaltensthera- pie in kleinen Schritten geht und nicht um grosse, einschneidende Veränderungen. Heute greife ich als Plastische Chirurgin nicht mehr nur zum Skalpell, sondern setze Laser, Botox, Filler und anderes kombiniert ein. Dies erlaubt es mir, die Na- türlichkeit beizubehalten. Eine Entwicklung, die ich spannend finde, ist, dass sich auch in der Schweiz, vor allem bei der jüngeren Generation, Schönheitsideale zu mischen beginnen. Andere Kulturen haben diesbezüglich andere Vorstellungen. Und so wird es in Zukunft nicht nur ein Schönheitsideal geben, sondern mehrere.

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